Abwanderung irakischer Christen

Irak

Dem Süden des Iraks droht eine weitere Abwanderung der Christen. Die wenigen verbliebenen Gläubigen erwägen einen Umzug in die kurdisch geprägten Landesteile im Norden oder eine Flucht ins Ausland. Das befürchtet der Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido. In der südirakischen Metropole Basra lebten derzeit nur noch 500 Christen. 2003 seien es noch bis zu 5.000 gewesen. Die meisten hätten das Gebiet verlassen, weil sie befürchteten, getötet oder entführt zu werden. Während früher in Basra sonntags Gottesdienste in 14 bis 18 Kirchen gefeiert worden seien, seien es heute nur noch vier. Viele Kirchengebäude verfallen ihm zufolge. Grund sei die instabile Lage. Im Süden des Landes herrschten zunehmend schiitische Milizen, die vom Iran unterstützt würden. Die Korruption der örtlichen Behörden verhindere einen Wiederaufbau. Proteste der Bevölkerung dagegen würden von den Milizen brutal niedergeschlagen. Hinzu komme eine starke Inflation. Um einen weiteren Exodus der Christen und anderer religiöser Minderheiten zu verhindern, sieht der Nahostexperte nur eine Lösung: „Irak braucht eine starke Regierung, die den Menschen Sicherheit bieten kann – frei von ausländischen Einflüssen wie etwa der Türkei und dem Iran.“ Gleichzeitig müssten die irakischen Sicherheitskräfte gestärkt und dürften nicht von Milizen kontrolliert werden. Auch der Westen müsse dafür Sorge tragen, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Die Region des Südiraks umfasst das Gebiet südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad bis zum Persischen Golf.

Sido: Regierung schenkt Religionsfreiheit kaum Beachtung

Sido äußerte sich gegenüber IDEA auch zu den Parlamentswahlen am 10. Oktober. Themen wie Religionsfreiheit und die Lage der religiösen Minderheiten im Land spielten im Wahlkampf leider keine Rolle, hat der Nahostexperte beobachtet. Die Christen hätten große Hoffnungen in den Besuch von Papst Franziskus im März gesetzt. Doch auch er habe die irakische Zentralregierung und die Parteien nicht überzeugen können, diesen Themen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es gebe zwar mehr als 30 christliche Kandidaten für das Parlament, doch sie seien „Schachfiguren“ und setzten sich kaum für die Belange der Christen ein. Jede Partei versuche zwar, Christen im Parlament zu platzieren, da es für die religiöse Minderheit eine feste Quote gebe. Diese setzten sich aber dann für andere Themen ein und nicht für die Belange der Christen. Aktuell sieht das Parlament fünf feste Plätze für christliche Vertreter vor. Für andere Minderheiten wie etwa Jesiden ist jeweils ein Platz vorgesehen. Im Irak sind etwa 95 Prozent der rund 40 Millionen Einwohner Muslime, meist Schiiten. (Quelle: IDEA)

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