"Der Angriff war ein Schock"

Südsudan

"Das Wichtigste ist jetzt die vollständige Genesung von Pater Christian, sowohl körperlich als auch seelisch. Er ist sehr gelassen, er ist sehr friedvoll", erklärte Pater Louis Okot, Provinzial der Comboni im Südsudan, gegenüber dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Einen Tag nach dem Angriff auf Christian Carlassare (am 25. April), einem Comboni-Missionar italienischer Herkunft, der seit 2008 in dem afrikanischen Land war und vor Kurzem zum Bischof der Diözese Rumbek im Südsudan gewählt wurde, fügte Pater Okot hinzu: "Das Motiv ist noch nicht bekannt, aber er hat jenen, die ihn angeschossen haben, bereits öffentlich vergeben".

Der Angriff war ein Schock für Pater Okot und die gesamte Gemeinde: "Wir haben überhaupt nicht erwartet, dass Bischof Carlassare so etwas erleiden würde. Sein Empfang in der Diözese ein paar Tage zuvor war wirklich gut, voller Hoffnung. Am Samstag haben wir telefoniert, um die Vorbereitungen für die Bischofsweihe, die für Pfingsten geplant war, zu koordinieren. Wie wir die Zeremonie organisieren würden, das Soundsystem, den Transfer der Gäste ... "

Der Provinzial der Comboni-Missionare spricht von "einem isolierten Vorfall". "Ich glaube nicht, dass es etwas mit interkommunaler Gewalt zwischen traditionell getrennten Völkern zu tun hat. Oft kommt es zu Kränkungen zwischen Gemeinschaften, und es wird Rache geübt. Der gewählte Bischof aber gehört zu keiner dieser Gruppen. Er ist ein Mann Gottes. " Aber Okot erinnert daran, dass "die Polizei ermittelt und nach weiteren Informationen sucht. Es ist sehr wichtig, die Motivation der Angreifer herauszufinden".

Die Unterzeichnung des erneuerten Abkommens zur Lösung des Konflikts im Südsudan (R-ARCSS) im September 2018 hat dem Land eine gewisse Stabilität zurückgegeben und einen bemerkenswerten Rückgang der politischen Gewalt zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Führern und ihren jeweiligen Stämmen der Dinka und Nuer erreicht. Dennoch hat der Südsudan weiterhin mit ernsten Sicherheitsproblemen zu kämpfen, "mehrere Bischöfe im Land haben Drohungen erhalten, aber nicht Bischof Carlassare", bestätigt der südsudanesische Priester.

Auf die allgemeine Situation im Land angesprochen, bezeichnet Pater Louis Okot den Pakt vom Februar 2020 zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit "als einen positiven Schritt, da die Politik nun einen diplomatischen Weg einschlägt." Auch wenn dies bedeutet, dass "nicht jeder mit der Bildung der neuen Einheitsregierung glücklich ist. Es gibt Leute, die mit einigen Ernennungen hadern".

Aber trotz des Fortschritts "scheint es sehr wenig Interesse zu geben, das Land zu wahrer Einheit zu bringen. Die Bemühungen sind langsam und schwach, es gibt kein wirkliches Engagement. Niemand will seine Privilegien verlieren. Deshalb haben wir so viele Probleme zwischen verfeindeten Gemeinschaften, vor allem wegen des Mangels an Ressourcen und Zugang zu Weideland, diese Konflikte tauchen immer wieder auf. Vor ein paar Wochen wurden im Bundesstaat Lagos 23 Menschen getötet. Das ist das Gebiet, das jetzt am meisten unter diesem Konflikt leidet. "

Zur Zukunft von P. Christian, der am Montag, 26. April, nach Nairobi (Kenia) verlegt wurde, und zur Frage seiner Rückkehr nach Rumbek betont der Provinzial der Comboni-Missionare, "das Wichtigste ist jetzt, dass die Ärzte seine volle Gesundheit wiederherstellen". Aber er fügt hinzu: "Pater Christian liebt dieses Land und die Diözese, die ihm anvertraut wurde. Wir haben viele Jahre sehr eng zusammengearbeitet, und ich weiß, dass er ein Missionar ist, der zutiefst das Charisma der Comboni-Missionare lebt, was nichts anderes bedeutet, als an der Front zu sein, in der Schusslinie, wie man sagt, das ist Teil unserer Hingabe".

"Niemand von uns kann sagen, dass ihm so etwas nicht passieren könnte. Die Situation der Unsicherheit ist allgemein. Unsere Haltung ist, vor der Gefahr nicht wegzulaufen oder zurückzuweichen. Viele Ordensmänner und -frauen der Comboni leben in Situationen von Krieg, Gewalt und Unsicherheit in verschiedenen Ländern der Welt. Sie sind bereit, ihr Leben für die Bedürftigsten zu geben, den Bedürftigsten zu dienen, auch in gefährlichen Situationen, sie tun es aus Liebe zu Gott. "

KIRCHE IN NOT unterstützt die Diözese Rumbek seit 25 Jahren. Die Wohltätigkeitsorganisation fördert mehr als 100 Projekte, darunter die pastorale Arbeit der Kirche, Messstipendien für den Klerus, Transportmittel und religiöse Literatur. KIRCHE IN NOT hat geholfen, neue Infrastruktur zu schaffen, wie Kapellen und Klöster. Auch zur Linderung von Hungersnöten, die die Diözese immer wieder heimsuchen, hat die Stiftung Nothilfe geleistet. (Bild: Comboni Fathers)

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