Einschränkung der Religionsfreiheit

Nepal

Am 8. August hat das nepalesische Parlament ein Gesetz auf den Weg gebracht, das eine deutliche Einschränkung der Religionsfreiheit darstellt. Die christliche Minderheit im Land befürchtet, dass viele Menschen das neue Gesetz missbrauchen werden, um persönliche Rechnungen mit Christen zu begleichen. In dem mehrheitlich hinduistischen Nepal wächst die Kirche seit Jahren kontinuierlich, gleichzeitig nimmt der Druck auf Christen zu.

Traktatverteilung an christlicher Schule resultiert in Anklage

Bereits die neue Verfassung Nepals vom Jahr 2015 hatte das Land zum säkularen Staat erklärt, in dem Glaubenswechsel und jegliche Form von Missionierung unrechtmäßig seien. Durch das jetzt vorgelegte Gesetz wird diese Festlegung in Kürze zu geltendem Recht. Dazu fehlt lediglich die Zustimmung des Präsidenten, mutmaßlich eine Formsache. Was das künftig für die Christen bedeuten könnte, erlebten acht von ihnen im Jahr 2015. Nach dem verheerenden Erdbeben waren sie als Aufbauhelfer in der zerstörten Stadt Charikot an einer christlichen Schule tätig. Im Rahmen ihrer Bemühungen, den Kindern beim Bewältigen des erlittenen Traumas zu helfen, verteilten sie christliche Schriften. Daraufhin wurden sie wegen „Missionierung“ angeklagt, später jedoch freigesprochen.

Kiri Kankhwende von Christian Solidarity Worldwide äußerte sich besorgt zu dem neuen Gesetz: „Wir befürchten, dass mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes Fälle wie in Charikot häufiger auftreten werden und die Religionsfreiheit weiter eingeschränkt wird.“

Parallelen zu indischen Anti-Bekehrungs-Gesetzen

Nepal ist ein Nachbarland von Indien, über 80% der Bevölkerung sind Hindus. Die in einigen indischen Bundesstaaten geltenden Anti-Bekehrungs-Gesetze führen dort immer wieder zu massiven Problemen für die Christen. Dazu Kankhwende weiter: „Am Beispiel von Indien sehen wir, dass ein Anti-Bekehrungs-Gesetz nicht nur das Recht des Einzelnen auf die freie Wahl seines persönlichen Glaubens einschränkt, sondern zusätzlich dazu werden religiöse Minderheiten Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt.“ Der nepalesische Parlamentarier Lokmani Dhakal forderte am 8. August die Streichung der Gesetzespassagen, die den Glaubenswechsel kriminalisieren, und betonte: „Mir scheint klar, dass dieses Land bei der Erstellung des neuen Gesetzes seine Verpflichtungen als Unterzeichner internationaler Verträge vergessen hat, die den Schutz der Religionsfreiheit gewährleisten.“

Einer Einschätzung der World Christian Database aus dem Jahr 2016 zufolge sind 4% der Nepalesen Christen. Nepal gehört zum erweiterten Kreis der „Länder unter Beobachtung“ des Weltverfolgungsindex, der die 50 Länder mit der härtesten Christenverfolgung auflistet. (Quellen: Christian Solidarity Worldwide, World Watch Monitor, Open Doors, Bild: TUBS)

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