Erneute Kirchenschließung

Algerien

Am 15. Oktober schlossen die algerischen Behörden die «Eglise du Plein Evangile» in Tizi Ouzou. Es war der nächste Schritt der Regierung im Rahmen ihres mutmaßlichen Plans, alle protestantischen Kirchen im grössten Land Afrikas zu schließen.

Der langjährige Leiter der Gemeinde, Pastor Salah, lud am selben Tag die etwa 700 Gemeindeglieder zu einer letzten gemeinsamen Versammlung in der Kirche ein, um die Informationen über die bevorstehende Schliessung mitzuteilen. Die Gemeinde zählt zu den grössten Algeriens. Seit Anfang 2018 haben 17 Gemeinden von den Behörden einen Schließungsbefehl erhalten und wurden aufgefordert, ihre christlichen Aktivitäten zu stoppen. Bei zwölf dieser Gemeinden wurden die Gottesdiensträume von den Behörden versiegelt. Letzte Woche ist eine weitere Kirchgemeinde über ihre baldige Schließung informiert worden.

Über die möglichen Hintergründe befragt, sagt Pastor Salah: «Wir haben damit gerechnet, da es eine Strategie der Regierung ist, die Kirchen zu schließen. Ich glaube, dass alle protestantischen Kirchen in Algerien ins Visier genommen werden. Einer der Hauptgründe ist vermutlich, dass wir so viele Christen mit muslimischem Hintergrund haben. Das missfällt den Behörden.»

Trotz des schmerzhaften Einschnitts in das blühende Gemeindeleben sieht Pastor Salah seine Kirche noch nicht am Ende. Er erwartet, dass sich die Christen künftig in Privathäusern treffen: «Einige Gemeinden in unserem Land versammeln sich draußen im Freien, um den Herrn gemeinsam anzubeten. Andere Kirchen versammeln sich nun als Hauskirchen. Ich denke, das werden wir auch tun.» Allerdings fügt er an: «Ich fürchte, dass die Behörden auch die Hauskirchen verbieten werden.»

Erst vor zwei Woche hatte die «Protestantische Kirche von Algerien» (EPA) eine Pressemeldung veröffentlicht, nachdem allein im Bezirk Bejaia fünf Kirchen geschlossen worden waren. In der Meldung fordert die Kirchenleitung «die Entfernung der Siegel von den Versammlungsstätten, ein Ende der Einschüchterung unserer Gemeinschaften und Mitglieder sowie die Aufhebung des freiheitsraubenden Gesetzes von 2006». Man habe alle administrativen Möglichkeiten ausgeschöpft. Die EPA bedauert insbesondere die nicht nachvollziehbare und unbegründete Weigerung der Behörden von Bejaia, ihnen eine Anhörung zu gewähren.

Pastor Salah hofft jetzt auf die Unterstützung der Christen: «Ich bitte die weltweite Gemeinde, dafür zu beten, dass der Herr während dieser Notlage bei uns sein wird.» Salah empfiehlt das Gebet der Jünger aus Apostelgeschichte 4,24-30. Dort heisst es unter anderem: «Die Könige der Erde lehnen sich auf … gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Sieh ihre Drohungen an und verleihe deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden.» (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS/wikipedia)

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