Karmelitinnen über die 3tägige "Barbarei"

Mosambik

Ende Mai ließen Terrorgruppen ihre Wut am Dorf Macomia in der für ihre Gasproduktion bekannten Provinz Cabo Delgado im Nordosten Mosambiks aus. Dort leisten die seit 16 Jahren in Macomia tätigen Teresianischen Karmelitinnen des Heiligen Josef (Carmelitas Teresas de San José) bemerkenswerte Arbeit im Bildungsbereich. Einige Tage nach dem Anschlag kehrten sie zurück und erzählten, was geschehen war. Das Internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), das die Schwestern 2015 besucht hat und sie mit Projekten unterstützt, ist besorgt über die Geschehnisse.

Der Angriff begann in den frühen Morgenstunden des 28. Mai. „Es war ein starker und grausamer Angriff, der drei Tage lang andauerte“, berichtet Schwester Blanca Nubia Castaño vom Karmel in Macomia auf ihrer Facebook-Seite. Weil sie sich des „Risikos“ eines Angriffs bewusst waren, verließen sie und die anderen Ordensschwestern einige Tage vor dem Anschlag den Missionssitz, zu dem auch eine Schule mit Internat gehört.

„Seit zweieinhalb Jahren“, schreibt Schwester Blanca, „leben die Region Macomia und die gesamte Provinz Cabo Delgado in Todesangst“ wegen der grausamen Angriffe bewaffneter Dschihadistengruppen, deren Motivation nach Ansicht von Experten mit der Entdeckung reicher Unterwasser-Gasvorkommen vor der Küste dieser Provinz zusammenhängen könnte. Seit Anfang des Jahres haben sie ihre Operationen intensiviert. Sie terrorisieren die Bevölkerung, brennen Dörfer nieder, und greifen Zivilisten auf Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln an.

Am Donnerstag, dem 4. Juni, beschlossen die Schwestern, nach Macomia zurückzukehren, um sich ein Bild vom Ausmaß der von den Terroristen verursachten Schäden zu machen, „obwohl das Risiko noch nicht ganz verschwunden war“. Aber sie wollten „zumindest die Mitarbeiter und ihre Familien besuchen, sie ermutigen und ihnen helfen“.

Laut Schwester Blanca Nubia Castaño war die Zerstörung verheerend. „Bei dieser Barbarei wurde das Stadtgebiet vollständig zerstört, der größte Teil der staatlichen Infrastruktur beschädigt und das Geschäftsviertel in Schutt und Asche gelegt.“

Zur materiellen Zerstörung kommen die menschlichen Opfer hinzu, deren Zahl noch unbekannt ist. „Wir wissen noch nicht, wie viele Opfer unter der Zivilbevölkerung und den [Sicherheits-]kräften zu beklagen sind. Am 3. Juni begannen die Menschen langsam in ihre Häuser zurückzukehren, von denen einige niedergebrannt, andere geplündert worden waren... Bedenken Sie auch, dass wir erst vor einem Jahr die zerstörerische Wucht des Wirbelsturms Kenneth erlebt haben...“ Dieser tropische Wirbelsturm traf vor allem die Provinz Cabo Delgado und richtete erhebliche Schäden an.

Bei dem Anschlag Ende Mai blieb die Mission der Teresianischen Karmelitinnen des Heiligen Josef offenbar nur deshalb verschont, weil sie außerhalb des von den Terroristen angegriffenen Gebietes liegt. „Unsere Mission kam unbeschadet davon, weil sie sich in den Hügeln, neben einem Militärstützpunkt befindet“. Aus Sicherheitsgründen mussten die Schwestern aber am selben Tag zu der Mission zurückkehren, wo sie Zuflucht gefunden hatten. Sie konnten nicht in Macomia bleiben.

Seit Ende 2017 hat die Gewalt in der Region nach Angaben der NGO Armed Conflict Location and Event Data Project (ACLED) mehr als 1100 Todesopfer, darunter 700 Zivilisten, gefordert. Die Gewalt hat nach UN-Angaben seit Ende 2017 zur Vertreibung von 200 000 Menschen geführt. Denselben Quellen zufolge hat der neue Angriff auf die Stadt Macomia, die bereits 30 000 Vertriebene beherbergte, einen neuen Flüchtlingsstrom ausgelöst.

Im April lenkte der Papst in seiner Urbi et Orbi-Botschaft zum Ostersonntag die Aufmerksamkeit der Welt auf diese unbekannte Krise.

Im Jahr 2015 besuchte eine Delegation von KIRCHE IN NOT International die Karmelitinnen von Macomia, denen das Hilfswerk ein Fahrzeug zur Unterstützung ihrer pastoralen Arbeit zur Verfügung stellte. „Ich bedauere die Lage in Macomia zutiefst, auch, weil ich die Karmelitinnen bei meinem letzten Besuch in Mosambik persönlich kennengelernt habe“, sagte Rafael D'Aquí, KIRCHE IN NOT-Projektleiter für Mosambik.  Besonders beeindruckt habe ihn damals die Arbeit der Ordensschwestern, denn „ihr Engagement erstreckt sich nicht nur auf das von ihnen geleitete Internat, sondern auch auf die gesamte Bevölkerung in der Umgebung“. Neben den von ihnen betreuten Schülern kümmern sie sich auch um die Familien und Lehrer. Zudem leiten sie ein Programm, bei dem Mütter Unterstützung beim Stillen bekommen und ihre Babys eine erste medizinische Grundversorgung. (Bild: TUBS/wikipedia)

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