Machthabern bleibt Christentum suspekt

China

FAZ-Korrespondentin: Das Regime reagiert widersprüchlich auf das Wachstum. In der Volksrepublik China wächst das Christentum rasant. Die kommunistischen Machthaber reagieren darauf widersprüchlich. „Auf der einen Seite werden Kirchen abgerissen, auf der anderen Seite werden auch neue gebaut. Christliche Gemeinden werden selbstbewusster, und der Staat gibt ihnen mehr Freiraum, beobachtet sie aber genau und setzt ihnen weiter Grenzen.“ Das schreibt Petra Kolonko, politische Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) für die Volksrepublik China, die Mongolei, Nordkorea und Taiwan, in der Ausgabe der FAZ vom 11. Februar. Der Kommunistischen Partei (KP) bleibe das Christentum aus politischen Gründen suspekt. Sie habe den Sturz des kommunistischen Systems in der Sowjetunion sowie in Mittel- und Osteuropa genau analysiert und festgestellt, dass in vielen Staaten, etwa in der DDR und Polen, Christen führend in der Opposition waren. Deshalb seien Chinas Kommunisten vor allem die Hauskirchen und die katholische Untergrundkirche verdächtig, die sich ihrer Kontrolle entziehen. Das Christentum wurde vor allem von 1949 bis Ende der siebziger Jahre – besonders während der Kulturrevolution – brutal unterdrückt. Danach lebte es trotz staatlicher Einschränkungen wieder auf.

Suche nach dem Sinn im Leben

Als einen Grund für die neue Attraktivität der christlichen Gemeinden nennt Kolonko „die Suche nach dem Sinn im Leben“. Das bringe im materialistischen und atheistischen China immer mehr Menschen in die Kirchen. So haben sich nach Angaben der staatlich anerkannten protestantischen Kirche im vorigen Jahr rund eine halbe Million Menschen taufen lassen. Die Gesamtzahl der Christen ist schwer zu ermitteln. Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften spricht von 29 Millionen in staatlich anerkannten Gemeinden – 23 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Nicht berücksichtigt sind die romtreuen Katholiken und jene protestantischen Hausgemeinden, die sich nicht der Kontrolle des Staates unterwerfen wollen. Schätzungen der Gesamtzahl belaufen sich auf bis zu rund 130 Millionen; auf jeden Fall übertreffen sie die der 83 Millionen kommunistischen Parteimitglieder.

KP gibt die Kontrolle über die Kirchen nicht auf

Wie Kolonko weiter schreibt, ist die Partei bekannt dafür, „dass sie das Aufkommen anderer Kräfte und Organisationen, die ihren Einfluss begrenzen könnten, argwöhnisch verfolgt“. Als ein Indiz wertet sie eine staatlich angeordnete Abrisswelle protestantischer und katholischer Kirchen in der Provinz Zhejiang. Dort sind nach Angaben des US-Hilfswerks „China Aid“ im vorigen Jahr 426 Kirchen abgerissen oder ihrer Dachkreuze beraubt worden. Zentrum der Provinz ist die neun Millionen Einwohner zählende Stadt Wenzhou, wo rund eine Million Christen leben. Dort gibt es mehr als 2.000 Kirchengebäude. Die Kontrolle über die christlichen Gemeinden habe die KP nie aufgegeben; doch räumt die kommunistische Führung laut Kolonko den Religionsgemeinschaften mehr Bewegungsfreiheit ein und erkennt vor allem auch ihre sozialen Leistungen an. (Quelle: idea/FAZ, Bild: Jacob Ehnmark)

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