Petition gegen Anti-Konversionsgesetz

Indien

Bürger aus allen Gesellschaftsschichten Indiens fordern ein Ende des Anti-Konversionsgesetzes, das am 14. Februar im Parlament des Bundesstaates Karnataka zur Debatte vorliegt, und die Aufhebung aller Anti-Konversionsgesetze in anderen Bundesstaaten der Indischen Union. In einer gemeinsamen Petition bitten sie darum, den Gesetzentwurf nicht zu verabschieden. Auch mehrere indische Parteien wie die Congress Party, die Janata Dal, die Aam Aadmi Party, die Welfare Party, die Socialist Party und andere politische Organisationen haben sich gegen das Anti-Konversionsgesetz ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass die indische Verfassung und die laizistische Tradition in Indien dringend geschützt werden müssen.

"Ein Antikonversionsgesetz ist nicht notwendig, da die indische Verfassung genügend Bestimmungen enthält", so Ram Puniyani vom „National Solidarity Forum“ (NSF), eines Zusammenschlusses von über 70 Organisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlicher Inspiration, der nach der gezielten Gewalt gegen Christen aus der Gruppe der Dalit und Adivasi im Distrikt Kandhamal in Odisha im Jahr 2008 gegründet wurde.
"Diese Anti-Konversionsgesetze sind Versuche, die christliche Gemeinschaft einzuschüchtern; das geplante Gesetz in Karnataka geht in die gleiche Richtung", bemerkt der Menschenrechtsaktivist Punyani.

"Überall dort, wo das Antikonversionsgesetz, das ironischerweise 'Gesetz über die Religionsfreiheit' genannt wird, verabschiedet wurde, ist es zu einer Rechtfertigung für die Verfolgung religiöser Minderheiten und anderer Randgruppen geworden. Angriffe auf Minderheiten haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen, seit dieses Gesetz als Waffe gegen Christen und Muslime, insbesondere Adivasi, Dalits und Frauen, eingesetzt wurde", so der Direktor der NSF in einer Mitteilung. Die Organisation ruft dazu auf, die in der Verfassung verankerten Werte zu verteidigen und die Menschenrechte von religiösen Minderheiten und anderen Randgruppen in Indien zu schützen.

Laut Pfarrer Ajay Kumar Singh, dem stellvertretenden Vorsitzenden des NSF, "verliert ein Dalit, der zum Christentum oder Islam konvertiert, den Schutz des Staates, nicht aber, wenn er zum Sikhismus, Jainismus oder Buddhismus konvertiert. Dies ist eine diskriminierende Realität“. Dalits oder Adivasi (Stammesangehörige), die zum Christentum oder zum Islam konvertieren, werden streng bestraft. "Das Gesetz ist ein Anreiz, im Hinduismus zu bleiben und verletzt das Recht des Einzelnen, seine Religion frei zu wählen", erklärt der katholische Geistliche.

"Das Gesetz respektiert die Frauen nicht und schränkt ihre Partnerwahl ein. Es wurde mit dem Gedanken entwickelt, dass Frauen in Indien nicht in der Lage sind, selbständig zu denken und zu handeln. Dieses Gesetz ist sehr patriarchalisch. Das ist nicht akzeptabel", sagt Vidya Dinkar, Menschenrechtsaktivistin und Mitglied des NSF-Zentralausschusses.

John Dayal, ein katholischer Journalist und Gründungsmitglied der NSF, sagte: "Die Anti-Konversionsgesetze betreffen nicht nur Christen, sondern fördern auch die Verfolgung von Muslimen, Dalits, Adivasi und sogar Frauen in Indien. Sie verstoßen gegen die Grundprinzipien der indischen Verfassung".
Laut Brinnelle D'Souza vom „Center for Health and Mental Health“ an der „School of Social Work“ wird das Gesetz dazu führen, „dass religiöse Konflikte und religiöser Nationalismus in Indien geschürt werden. Es gibt dem Staat auch die Macht über zutiefst persönliche Angelegenheiten, die mit dem Gewissen des Einzelnen zusammenhängen, und verletzt damit die Gewissensfreiheit".

Auch Margaret Alva, ehemalige Gouverneurin von Goa, Gujarat und Uttarakhand, bittet um Unterstütung für die Petition: "Die NSF sammelt Unterschriften von Menschen aller Religionen, um die Regierung von der Verabschiedung dieses Gesetzes abzuhalten. Ich bitte Sie, diesen Appell zu unterzeichnen, damit das Gesetz in Karnataka und ähnliche Gesetze in anderen Staaten des Landes zurückgezogen werden".

In den Bundesstaaten Odisha (früher Orissa), Arunachal Pradesh, Himachal Pradesh, Uttarakhand, Uttar Pradesh, Madhya Pradesh, Jharkhand, Chhattisgarh, Gujarat und Rajasthan wurden bereits ähnliche Gesetze erlassen, religiöse Konversionen verbieten, die mit Gewalt oder betrügerischen Mitteln erzwungen werden, einschließlich finanzieller Anreize, medizinischer Hilfe und kostenloser Bildung. In vielen Fällen sehen die Gesetze vor, dass eine religiöse Konversion nur nach Genehmigung durch einen Richter erfolgen kann. Die Gesetze werden oft als Vorwand benutzt, um Missionare oder christliche und muslimische Gläubige ins Visier zu nehmen und zu beschuldigen.

In den letzten Monaten haben die christlichen Gläubigen des Staates Karnataka eine Sensibilisierungskampagne und verschiedene öffentliche Demonstrationen durchgeführt. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS/wikipedia)

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