"Terroristen leben unter uns"

Kenia

Nach dem Massaker an 148 Christen in der Universität in der nordkenianischen Stadt Garissa hat Kardinal John Njue, Erzbischof von Nairobi zu nationalem Zusammenhalt aufgerufen. Das geht aus einer Solidaritätserklärung hervor, die Kardinal Njue am Mittwoch, dem 8. April in der Leichenhalle Chiromo in Nairobi verlas, wohin die Leichname der Opfer gebracht worden waren. In seiner Ansprache, die Kirche in Not vorliegt, bezeichnet es Kardinal Njue als „äußerst betrüblich, dass viele junge Kenianer radikalisiert und angestachelt wurden, Terror-Akte gegen die eigenen Mitbürger zu begehen.“ Er nahm damit Bezug auf Medienberichte, denen zufolge fünf Kenianer unter den Verdächtigen sind, die nach dem Anschlag festgenommen wurden. Sie sollen die Angreifer mit Waffen versorgt haben. Einer der vier von der Polizei getöteten Terroristen wurde den Berichten zufolge als Sohn eines Distriktchefs im Nordosten Kenias identifiziert. Kardinal John Njue weiter: „Die religiösen Führer sollen aufhören, Hass gegen Menschen zu schüren, die nicht ihrer Religion und Glaubensrichtung angehören und stattdessen anerkennen, dass jeder an ein höheres Wesen glaubt. „Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben und Glaubensfreiheit und deshalb darf niemand als nicht-gläubig bezeichnet werden.“

Er forderte die Regierung auf, für die Sicherheit von „allen Menschen in allen Teilen des Landes“ zu sorgen, rief aber auch alle Kenianer auf, wachsam zu sein und Informationen über verdächtige Personen in ihrer unmittelbaren Umgebung weiterzuleiten. Kardinal Njue: „Es ist bedauerlich, dass einige Terroristen unter uns leben und wir sie nicht den zuständigen Behörden melden.“

Die islamistische Terrormiliz Al Shabaab hat am Gründonnerstag 148 Studierende und Mitarbeiter der Universität von Garissa im Norden Kenias getötet und 80 weitere verletzt. Berichten von Augenzeugen zufolge sonderten die Terroristen gezielt christliche Studenten als Opfer aus. Das grausame Attentat auf christliche Studenten ist schon der dritte Terroranschlag von Al-Shabaab auf Christen in Kenia in den vergangenen Monaten. Im Dezember 2014 wüteten Al-Shabaab Milizen in einem Steinbruch in Kormey im Norden von Kenia. Dort trennten sie muslimische Arbeiter von den übrigen und ermordeten 36 Menschen, vor allem Christen. Einen Monat davor entführten sie einen Bus in der gleichen Region und töteten 28 Nicht-Muslime, die sie vorher aussortiert hatten – viele dieser Männer und Frauen waren Christen. 

Angesichts dieser Häufung von Terroranschlägen hat John Kardinal Njue am Mittwoch vor den sterblichen Überresten der Opfer die kenianische Regierung und die Sicherheitsbehörden aufgefordert, Notfallstrategien für Schulen und Universitäten zu entwickeln. „Wir müssen uns fragen: Wie gut sind wir auf Terrorakte vorbereitet?“ 

Die Lage in Garissa ist nach Aussagen des Bischofs-Koadjutors der Diözese von Garissa, Joseph Alessandro (O.F.M. Cap.) nach dem Anschlag am Gründonnerstag „sehr angespannt.“ Seinen Angaben zufolge trauten sich nur wenige Menschen auf die Straßen. Die Sicherheitsvorkehrungen vor der Bischofsresidenz und den Kirchen seien hoch. Nach dem Massaker in den Morgenstunden des Gründonnerstags seien in Garissa die Gründonnerstagsliturgien abgesagt worden. Bischof Alessandro berichtete, dass die Priester an Karfreitag und Karsamstag in Garissa mit einigen wenigen Gläubigen Gottesdienste gefeiert haben. Am Sonntag sei die Kathedrale von Garissa wieder voll gewesen, die Menschen „haben ihre Ängste überwunden“, so der Bischofs-Koadjutor.

Bischof Alessandro verwies auf die guten Beziehungen zwischen christlichen und muslimischen Geistlichen in Garissa. „Am Karsamstagmorgen kam der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Kenia zusammen mit einem Imam zu uns um seine Solidarität mit uns zu zeigen.“ Laut Bischof Alessandro gibt es einige Dialog-Initiativen zwischen den Religionen in Kenia. So seien katholische Schulen offen für muslimische Kinder und die von der Kirche angebotene humanitäre Hilfe kann jeder in Anspruch nehmen.

In der Republik Kenia ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur halb so viele Einwohner. Davon sind 85 Prozent Christen und nur zehn Prozent Muslime. Eine Ausnahme bildet der Osten Kenias, wo Garissa liegt. In dieser Region, die an Somalia grenzt, leben mehrheitlich Muslime. In Somalia stellen die Muslime 99,8 Prozent der Bevölkerung. Von dort aus planen die Anhänger der Al-Shabaab-Miliz, einer islamistischen militanten Bewegung, die Al Qaida nahesteht, ihre Terroranschläge.

„Kirche in Not“ hat die Arbeit der katholischen Kirche in Kenia in den insgesamt 20 Diözesen im Jahr 2014 mit 900.000 Euros unterstützt. Die Hilfsgelder flossen in kirchliche Bauprojekte in Kenia, in Mess-Stipendien und andere Existenzhilfen für Priester und Ordensleute sowie in die Ausbildung von Seelsorgern und die Anschaffung von Fahrzeugen für die Seelsorge in dem ostafrikanischen Land. (Foto: Waumini Communications - Kenya Conference of Catholic Bishops (KCCB))

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  • Herr Jesus Christus,
    wir denken an die Menschen,
    die für ihren Glauben leiden,
    die für ihre Hoffnung bedrängt werden,
    die für ihre Treue zu dir sterben.

    Wir danken dir,
    dass diese Menschen uns zeigen,
    wie wertvoll unser Glaube ist.
    Gib uns die Gnade,
    dass ihr Zeugnis in unserem
    Leben fruchtbar wird.
    Amen.