„Waffenruhe gilt faktisch nicht mehr“

Syrien

„Die Waffenruhe gilt faktisch nicht mehr.“ Das berichtete der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. In der nordsyrischen Stadt verstärkten sich seit Mitte April erneut die Kämpfe zwischen Regierungs- und Rebellengruppen. „Die Lage der Menschen ist verheerend. Es gibt viele Tote und Verletzte“, sagte Audo. 

Teile Aleppos würden von Kämpfern des sogenannten „Islamischen Staates“ und der Al-Nusra-Front kontrolliert. „Sie wollen durch Beschuss Angst und Schrecken verbreiten. Das sind aus dem Ausland finanzierte Gruppen. Sie kommen nicht aus Syrien.“ Diese Unterscheidung ist dem Bischof wichtig, denn zwischen Christen und Muslimen in Aleppo bestünden jahrzehntelange gute Beziehungen. Angesichts des Krieges hätten diese sich sogar noch gefestigt: „Die Muslime akzeptieren uns wegen unserer karitativen Arbeit. Wir helfen ohne Ansehen der Religion.“

Mit großer Sorge blickt der Bischof auf seine Gemeinden. „Wenn die Kämpfe weitergehen, werden noch mehr Christen Aleppo verlassen“, erklärte Audo. Vor Ausbruch des Krieges im Jahr 2011 hätten rund 150000 Christen verschiedener Konfessionen in Aleppo gelebt. Zwei Drittel von ihnen seien bereits geflohen. „Zurückgeblieben sind vor allem die Ärmsten der Armen und die Alten. Ihre Situation ist besorgniserregend. Um sie kümmern wir uns jetzt – auch dank der Hilfe von ,Kirche in Not‘.“

Die Ordensfrau Annie Demerjian versucht, der Not der Menschen so gut es geht abzuhelfen. Sie hat eine Kleiderkammer eingerichtet und verteilt mit ihren Mitschwestern von der „Gemeinschaft Jesu und Mariens“ Lebensmittel und Medikamente. Jetzt kommt wieder die Sorge um die Toten und Verwundeten hinzu. „Neulich sind beim Beschuss auf ein Wohnviertel 17 Menschen getötet worden – darunter sechs Kinder“, so Demerjian. Dazu kämen unzählige Verletzte: „Eine meiner Helferinnen war geschockt, als sie den Transport so vieler Verwundeter sah.“

Sie habe wie viele Einwohner Aleppos gehofft, dass der Waffenstillstand der Anfang vom Ende des Krieges sei. Doch diese Hoffnungen seien zerstört. „Es ist derzeit so schlimm wie lange nicht mehr. Hunderte Bomben und Raketen gehen nieder. Zuletzt hatten wir so harte Kämpfe an Ostern 2015“, sagte Schwester Annie.

Die Situation zermürbe die Menschen körperlich wie psychisch. „Sie können nicht mehr und haben das Gefühl, das jetzt alles wieder von vorn losgeht. Das macht die Menschen traurig und wütend.“ Sie habe kürzlich mit einem orthodoxen Christen gesprochen, so Demerjian. Mit Blick auf das orthodoxe Osterfest am 01. Mai habe er zu ihr gesagt: „Überall auf der Welt bekommen die Kinder zu Ostern Geschenke. Hier bekommen sie Särge.“ Es sei unendlich traurig, so etwas hören zu müssen.

„Kirche in Not“ steht den Christen Aleppos solidarisch zur Seite. Durch die kirchlichen Partner vor Ort werden unter anderem Programme für die Versorgung mit Kleidung, Nahrung und Medikamenten unterstützt. Hinzu kommen Wohnhilfen, damit die Menschen ihren Alltag bewältigen können. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

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